Samstag, 26. Februar 2011
Aktuelles zu meinem Hermanstadtfeature
Näheres unter:
http://www.dradio.de/dkultur/programmtipp/feature/1405292/
Donnerstag, 24. Februar 2011
Was sagt Pastior?
Kannten Sie Pastior, fragte Meret Meinhard. Ja, o ja, sagte Meinhard und schien ausweichen zu wollen: Pastior ist Büchnerpreisträger, also ausgezeichnet mit dem renommiertesten deutschen Literaturpreis, ist der in Deutschland bekannteste Hermannstädter Dichter, die Harte Müller setzte ihm ihrem Roman Atemschaukel ein Denkmal.
Pastior war Baby, Kind und Schulbub in Hermannstadt. Und am Gymnasiasten dann begann der Diebstahl an ihm, steuerte Meret ihr Wissen bei.
Ja, bestätigt Meinhard, Deportation in ein Zwangsarbeitslager.
Nach fünf Jahren kam er frei. Und nagelte dann Kisten, fuhr Meret fort, mixte Beton, baute am Hermannstädter Flughafen, arbeitete als Wohnbaukostenvoranschlagkalkulator und Rundfunkredakteur. Und - bekam eines Tags Besuch. Die Securitate!
Was sagte Pastior?
Du spachtelst Holme und dobrutzelst Sepiahimalaiadoppelschrot.
Meret: Wir stärken uns und dann geht’s auf rührende Busfahrt: Omnibusdreh schnaubt Umrührung.
Rohe Romantik geht auf am Horizont:
Brunnenschwengel pumpt Sonnenuntergänge.
Es sehnsuchtet.
Lass o leise es je neun tangolange Küsse feigen.
Mundwerke treten in Aktion:
Ellipsende dentale Spiele.
Da, er sesamt.
Du sesamst.
Ja, das Mehl der Liebe bindet:
Das Mehl, in dem sich Oberschenkelpaare binden, ein scheues Bruchband
Unsere Körper kommen klimaktisch zum Zug:
Er klickt ins violette Koma eines Körpers in Kaskaden
Dann sackt er mir weg in den Schlaf:
Schokoladeschlaf.
Violettes Koma, kleiner Tod, süßer Schlaf und keine Kirchturmuhr schlägt.
copyright Andra Joeckle)
Der Käfigtüraufhalter
Einmal marschierte Meret mit einem Rucksack in einen Laden. Ihr Magen knurrte böse. Da wird ihr die Tür zu einem Drahtkäfig aufgehalten. Sie versteht nicht. Der Mann, der Käfigtüraufhalter, nickte ihr zu. In ein gestorbenes stumpfes Violett ist er gekleidet. Schnell nickt sie zurück. Der Käfigverwalter fängt ihr Nicken mit einem erneuten Nicken ab. Und nickt sie hinein in den Käfig. Er macht ihr den Weg frei, der Herr Käfigverwalter, er tritt zurück und verbeugt sich dabei. Er legt ihr einen imaginären roten Teppich aus.
Und streckt Meret seine geöffnete Hand entgegen. Eine Münze glänzt im Handteller. Sie glänzt. Die hält der parat. Die blitzt, die Münze blitzte der Frau ins Auge. Will man sie blind machen? Was will man von ihr. Die Frau blickt gebannt auf die blinkende Münze. Aber sie frisst dem Mann die Münze nicht aus der Hand. Sie nimmt ihm die Münze nicht ab. Das ist doch eine Falle? Da verschließt der Mann die Münze in seiner Faust. Oh! Die Frau erschrickt. Sie sucht den Blick des Manns. Sucht sein Sinnen und Trachten zu lesen in seinem Gesicht, seinen Augen. Der Mann weist sie mit seinem ganzen Wesen, seinem ganzen Käfigtürverwalterwesen in den Drahtverhau. Hinter Gitter und Schloss. Sein Zeigefinger zeigt hinein, schießt. Aber was ist das? Was tut der jetzt da? Der Herr Wer-ist-der-denn? Der Mann hilft der Frau aus dem Rucksack, aus dem Rucksack hilft er ihr wie aus einem Mantel. Ich trag doch keinen Trickmantel mit doppelten Taschen für Diebsgut, empört sich Meret. Der Mann beschlagnahmt ihre persönliche Habe. Er verstaut den Rucksack im Käfig. Die Frau will schon, hinterher, hineinkriechen in den Käfig. Der Mann aber bewahrt sie vor dem Käfig. Er versperrt ihr den Weg. Und die Münze steckt er in den Schlitz. Da machte es Klick. Klingt wie: Glück. Klickglück, rumänisches. Der Mann grinste sein Käfigverweserglück frei hinaus. Der Herr Käfigverweser schließt den Käfig ab. Er schließt die Frau nicht mit ein. Er schließt die Frau aus. Die Sache zwischen ihm und der Frau ist damit erledigt. Er händigt der Frau den Schlüssel aus. Endlich kann sie jetzt friedlich, froh und frei einkaufen.
Montag, 3. Januar 2011
Mein Hermannstadtfeature wird im April 2011 gesendet
Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, das ist das Rumänien, in dem Andra Joeckle als Hermannstädter Stadtschreiberin lebte. Sie beschwört den Geist Oskar Pastiors herauf, des wohl bekanntesten Autor Hermannstadts. Herta Müller setzt ihm mit ihrem Nobelpreisbuch ein Denkmal. Entsetzt waren viele über seine Securitate-Mitarbeit. Aber Pastiors fantastisches Sprachgenie bleibt.
Andra Joeckle erkundet das von den tüchtigen Siebenbürger Sachsen geprägteStädtchen mit seinem deutschen Bürgermeister. Ein junger Rumänienheimkehrer entdeckt ihr in der Brukenthal’schen Kunstsammlung das Facebook der Reformationszeit. Die Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung weiß von Würsten und Teppichen, die vom Himmel fallen, zu berichten. Und der avantgardistische Stadtpfarrer führt sie in seine einsturzgefährdete Kirche mit ihrem geheimen Orgelpfeifenlager.
Dachaugen scannen sie, Dachziegel glänzen und lassen sich essen. Fassaden strahlen schockierend. Die Stadtschreiberin schaut auch hinter die gesellschaftlichen Fassaden und bekommt mit, wie Ceausescu und die „Tante Secu“ auch 20 Jahre nach dem Ende der Diktatur noch gegenwärtig sind.
Donnerstag, 10. Juni 2010
Lorbeer
Foto: Karol Piechocki, Stiftung fuer deutsch-polnische ZusammenarbeitNun bin ich tatsächlich mit dem deutsch-polnischen Journalistenpreis für mein Feature "Krakau mit Händen und Füßen" ausgezeichnet worden. Das Feature lag auch der Jury vorlag, die mich als Stadtschreiberin für Hermannstadt auswählte. Am 8. Juni war die Preisverleihung in Dresden. Ich freue mich umso mehr, als es mein erstes Feature ist, das ich ohne Kooautoren geschrieben habe und weil ich in einer einfühlsamen Preisrede als "tapfer" und mein Feature als "schräg", in einer anderen Würdigung als "liebevoll" bezeichnet wurde.

